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Berirab
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Berirab®

Wirkstoff: Tollwut-Immunglobulin vom Menschen

Stoff- oder Indikationsgruppe: Immunglobuline zur intramuskulären Anwendung

Bestandteile: 1 ml enthält: Protein vom Menschen 100 – 170 mg mit einem Anteil an Ig von mind. 95 % mit Antikörpern gegen Tollwut-Virus mind. 150 I.E.; Aminoessigsäure (Glycin), Natriumchlorid, Wasser für Injektionszwecke

Anwendungsgebiete: Prophylaxe der Tollwut nach vermuteter Exposition1 bei Personen, die über keinen oder einen unvollständigen Impfschutz² verfügen. Die Anwendung erfolgt ausschließlich in Verbindung mit einer Tollwut-Impfung (siehe Tabellen 1 - 3 am Ende des Textes).

1 Eine Exposition muss insbesondere angenommen werden bei

  • allen Verletzungen durch tollwütige oder tollwutverdächtige Haus- und Wildtiere (auch durch Fledermäuse mit Duvenhage-Virus),
  • Kontakt der Schleimhäute oder der Haut, insbesondere der verletzten Haut, mit Speichel eines tollwütigen oder tollwutverdächtigen Tieres,
  • Kontakt von Schleimhäuten oder nichtintakter Haut mit Impfstoffödem.

² Als unvollständig geschützt gelten Personen:

  • die mit einem Impfstoff von zweifelhafter Wirksamkeit geimpft wurden,
  • die mit einem Impfstoff von einer Stärke < 2,5 I.E. pro Dosis geimpft wurden,
  • mit begonnener oder abgebrochener Impfserie, die nicht sicher zur Grundimmunisierung geführt hat,
  • deren vollständige aktive Immunisierung mehr als 5 Jahre zurückliegt.

Gegenanzeigen: Keine, da im Hinblick auf den tödlichen Ausgang klinisch manifester Tollwut eine Überbrückung der Zeitspanne bis zur Antikörperbildung nach aktiver Immunisierung dringend notwendig ist. Bei bekannter Überempfindlichkeit gegen die Bestandteile des Präparates sind Vorsichtsmaßnahmen zur Schockbehandlung zu treffen.

Schwangerschaft und Stillzeit: Kontrollierte klinische Prüfungen mit Berirab in der Schwangerschaft sind nicht durchgeführt worden. Daher sollte Berirab an schwangere oder stillende Frauen nur mit Vorsicht verabreicht werden. Langzeiterfahrungen mit Immunglobulinen, besonders die Anwendung von Anti-D-Immunglobulin haben gezeigt, dass keine schädigenden Auswirkungen auf die Schwangerschaft, den Fötus und das Neugeborene zu erwarten sind.

Nebenwirkungen: Gelegentlich kann es zu vorübergehendem Druckschmerz an der Injektionsstelle, zu Hautreaktionen sowie Temperaturerhöhung kommen. Selten sind Übelkeit und Erbrechen sowie Kreislaufreaktionen (z. B. Tachykardie, Bradykardie, Hypotension, Schweißausbruch, Schwindel) und allergoide/anaphylaktoide Reaktionen (z. B. mit Flush, Urtikaria, Dyspnoe). In Einzelfällen können Symptome bis hin zum Schock auftreten, insbesondere bei unbeabsichtigter intravasaler Injektion. Therapeutische Maßnahmen richten sich nach Art und Schweregrad der Nebenwirkungen. Bei der Anwendung von aus menschlichen Blut oder Plasma hergestellten Arzneimitteln können Infektionserkrankungen durch die Übertragung von Erregern (auch bisher unbekannter Natur) nicht völlig ausgeschlossen werden. Um das Risiko einer Übertragung von infektiösem Material zu reduzieren, erfolgt eine sorgfältige Auswahl der Plasmaspender und -spenden. Der Herstellungsprozess von Berirab beinhaltet Maßnahmen zur Eliminierung/Inaktivierung von Viren.

Wechselwirkungen mit anderen Mitteln:

Impfungen: Nach Gabe von Immunglobulinen ist ein Abstand von mindestens 3 Monaten zur Impfung mit parenteralen Virus-Lebend-Impfstoffen (z. B. gegen Mumps, Masern, Röteln und deren Kombinationen sowie Varizellen) einzuhalten, da sonst durch die in Berirab enthaltenen Antikörper die notwendige Virusvermehrung behindert und damit der Impferfolg in Frage gestellt wird. Zu folgenden Impfungen ist kein Abstand erforderlich:

  • oral anzuwendenden Lebend-Impfstoffen (z. B. gegen Poliomyelitis, Typhus), weil nach Gabe dieser Impfstoffe die Immunität vorwiegend im Darm aufgebaut wird.
  • Impfstoffe aus inaktivierten Erregern (z. B. gegen FSME, HIB, Influenza, Pertussis, Rabies) oder Toxoiden (z. B. gegen Diphtherie, Tetanus bzw. den entsprechenden Kombinationen).

Serologische Testverfahren: Bei serologischen Untersuchungen nach Verabreichung von Immunglobulinen ist zu beachten, dass dem Patienten durch das Immunglobulin ein weites Spektrum von Antikörpern zugeführt wird, die das Testergebnis für einige Zeit falsch-positiv beeinflussen können. Bei solchen Antikörperbestimmungen sind die Menge des zugeführten Immunglobulins, der zeitliche Abstand zur Immunglobulingabe und die Empfindlichkeit des Testverfahrens zu berücksichtigen.

Wichtigste Inkompatibilitäten: Berirab darf nicht mit anderen Arzneimitteln gemischt werden.

Dosierung: Für alle Altersstufen gilt: einmalig 20 I.E./kg Körpergewicht (Tabellen 1 – 3 sind zu beachten). Wegen der Gefahr einer Interferenz mit der Antikörperbildung während der Impfbehandlung mit Tollwut-Vaccine darf weder die empfohlene Dosis erhöht, noch Tollwut-Immunglobulin wiederholt verabreicht werden.

Art der Anwendung:

Vorsichtsmaßnahmen für die Anwendung: Bei Anwendung von Tollwut-Impfstoff sind die aktuellen Anwendungsrichtlinien der Weltgesundheitsorganisation zu beachten. Nach Gabe von Berirab wird eine Nachbeobachtungszeit von mind. 20 Min. empfohlen.

Trübe Lösungen oder Lösungen mit Rückständen (Partikeln/Niederschlägen) sind nicht zu verwenden. Berirab ist gebrauchsfertig und ist körperwarm anzuwenden. Es soll soviel wie möglich der Gesamtmenge des Tollwut-Immunglobulins möglichst tief in und um die Wunde herum appliziert werden. Der Rest wird vorzugsweise ventroglutäal am liegenden Patienten verabreicht. Berirab darf nur streng intramuskulär angewendet werden. Dabei ist zu beachten, dass die Gefahr einer unbeabsichtigten intravasalen Gabe nach wiederholten intramuskulären Injektionen erhöht ist. Nicht intravasal injizieren! Bei intravasaler Verabreichung können Patienten mit schockartigen Symptomen reagieren, besonders wenn ein Antikörpermangelsyndrom vorliegt. Daher wird empfohlen, sich durch Aspiration davon zu überzeugen, dass kein Gefäß getroffen wurde. Bei größeren Gesamtdosen ist eine Aufteilung zweckmäßig. Das gilt für Dosen von mehr als 2 ml bei Kindern bis zu 20 kg Körpergewicht und mehr als 5 ml bei Personen mit höherem Körpergewicht. Die alleinige Anwendung von Tollwut-Immunglobulin schützt nicht gegen die Erkrankung. Daher muss unbedingt gleichzeitig, jedoch an einer anderen Körperstelle, eine Tollwut-Vaccine verabreicht werden. Bei der Tollwut-Impfung sind die Angaben in der Gebrauchsinformation für den Tollwut-Impfstoff unbedingt zu beachten. Die Injektion von Berirab hat möglichst am Verletzungstag simultan mit der ersten Impfstoffgabe zu erfolgen. Ist die Simultanprophylaxe unterlassen, d. h. nur der Impfstoff in vorschriftsmäßigen Intervallen gegeben worden, so ist die Gabe von Berirab nur bis spätestens zum 7. Tag nach der ersten Impfstoffinjektion sinnvoll. Auch bei verspätetem Beginn der Simultanprophylaxe darf die vorgeschriebene Dosis Berirab nicht erhöht werden.

Notfallmaßnahmen, Symptome und Gegenmittel: Allergoide / anaphylaktoide Reaktionen sind bei intramuskulär angewendetem Immunglobulin vom Menschen selten. Bei jedem Verdacht auf eine allergoide / anaphylaktoide Reaktion ist Berirab sofort abzusetzen und eine situationsgerechte Behandlung einzuleiten. Die aktuellen medizinischen Richtlinien zur Schockbehandlung sind zu beachten. Eventuell zusätzlich zu ergreifende Gegenmaßnahmen:

  1. Bei leichten Reaktionen: Gabe von Kortikosteroiden und Antihistaminika.
  2. Bei schweren oder lebensbedrohlichen Reaktionen (z. B. anaphylaktischer Schock), in Abhängigkeit vom Schweregrad:
  • sofort Adrenalin langsam i.v. geben,
  • zusätzlich Kortikosteroide hochdosiert langsam i.v. geben,
  • ggf. Volumenauffüllung, Sauerstoffgabe.

Besonders bei unbeabsichtigter i.v.-Gabe sind die Patienten längerfristig (etwa 1 Std.) zu überwachen.

Pharmakologische Eigenschaften: Die Wirkung von Berirab beruht auf antikörpervermittelter Virusneutralisation im Blut und im extrazellulären Bereich.

Toxikologische Eigenschaften: Bei humanen Immunglobulinen sind toxische Eigenschaften nicht bekannt. Toxikologische Untersuchungen haben gezeigt, dass das Mehrfache der menschlichen Dosis keine Toxizität aufweist.

Pharmakokinetik: Die Resorption von i.m. verabreichtem Immunglobulin aus dem Injektionsdepot beginnt ca. 20 Min. nach der Applikation. Das Maximum der erreichbaren Blutspiegel ist von Alter und Gesundheitszustand abhängig und wird 2 bis 6 Tage post injectionem erreicht. Die Halbwertszeit beträgt im Durchschnitt 3 Wochen.

Sonstige Hinweise: Berirab ist eine klare, farblose bis gelbliche Lösung der Immunglobulinfraktion. Berirab enthält überwiegend Immunglobulin G. Für die Herstellung von Berirab werden ausschließlich Plasmaspenden verwendet, die mit negativem Ergebnis auf Antikörper gegen HIV-1, HIV-2 und HCV sowie auf HBs-Antigen getestet worden ist. Der ALT(GPT)-Wert darf das Doppelte des methodenspezifischen Normalwertes nicht überschreiten. Eine weitere Testung auf Antikörper gegen HIV-1, HIV-2, HCV sowie auf HBs-Antigen erfolgt am Plasmapool. Nur bei negativen Ergebnissen wird der Plasmapool weiterverarbeitet. Der Herstellungsprozess von Berirab beinhaltet verschiedene Schritte, die zur Eliminierung/Inaktivierung von Viren beitragen. Dazu gehören die Herstellung nach einer modifizierten COHN-Fraktionierung und die Hitzebehandlung des Präparates in wässriger Lösung bei 60 °C über 10 Stunden.

Dauer der Haltbarkeit: Die Verwendbarkeitsdauer beträgt 24 Monate. Berirab darf nach Ablauf des auf Packung und Behältnis angegebenen Verfallsdatum nicht mehr angewendet werden. Geöffnete Ampullen sind sofort zu verbrauchen.

Besondere Lager- und Aufbewahrungshinweise: Berirab ist bei +2 bis +8 °C aufzubewahren. Nicht einfrieren!

Packungsgrößen: Gebrauchsfertige Lösung zur intramuskulären Anwendung. Packung mit 1 Ampulle zu 2 ml mit 300 I.E. Tollwut-Antikörpern, Packung mit 1 Ampulle zu 5 ml mit 750 I.E. Tollwut-Antikörpern, Packung mit 1 Ampulle zu 10 ml mit 1500 I.E. Tollwut-Antikörpern

Herkunftsländer des Blutplasmas: Deutschland, Österreich, USA

Tab. 1: Impfschema entsprechend Exposition

Grad der Exposition Art der Exposition Impfschema
  durch ein tollwutverdächtiges* oder tollwütiges Wild- oder Haustier durch einen Tollwutimpfstoffköder  
I Berühren/Füttern von Tieren, aber sicher kein Kontakt mit dessen Speichel; eigene Haut weder vor noch bei Kontakt verletzt. Berühren von Impfstoffködern bei intakter Haut Keine Impfung erforderlich. Bei Unklarheiten Impfung nach Schema B (Tabelle 2)
II – Knabbern an oder Belecken der unbedeckten Haut;

– Speichelkontakt;

– oberflächliche, nicht blutende Kratzer durch ein Tier mit Ausnahme von Kratzern an Kopf, Hals, Schultergürtel, Armen oder Händen. (Vgl. Kategorie III)

– Berühren von Impfködern bei nicht-intakter Haut Sofortige Impfung nach Schema B, bei Unklarheiten Simultanprophylaxe** nach Schema C (Tabelle 2). Wenn Tier nach Untersuchungsergebnis gesund, Fortführung nach Schema A empfohlen. Impfschutz gegen Tetanus prüfen!
III – jegliche Bissverletzungen

– blutende Kratzwunden

– jegliche Kratzwunden an Kopf, Hals, Schultergürtel, Armen oder Händen

– Kontakt von Schleimhäuten mit Speichel (z. B. Lecken, Spritzer)

– Kontakt von Schleimhäuten und frischen Hautverletzungen mit Impfstoffködern Sofortige Simultanprophylaxe** nach Schema C (Tabelle 2). Wenn Tier nach Untersuchungsergebnis gesund, Fortführung nach Schema A empfohlen. Impfschutz gegen Tetanus prüfen!

(In Anlehnung an die Empfehlungen der WHO 1992 (Technical Report Series 824) und 1997, sowie der STIKO vom März 1998)

* tollwutverdächtig ist u. a. jedes Tier, das sich in einem amtlich als gefährdeter Bezirk gekennzeichneten Gebiet auffällig verhält. Auch Kadaver tollwütiger Tiere können noch ansteckend sein.

**Gleichzeitige Gabe von Impfstoff und Immunglobulin

Hinweis: Bei gegebener Indikation ist die Immunprophylaxe unverzüglich durchzuführen!

Tab. 2: Durchführung der Impfung bei nicht oder unvollständig* geschützten Personen

Schema A

Präexpositionelle Impfung

Schema B

Postexpositionelle Impfung

Schema C

Postexpositionelle Simultanprophylaxe

Tollwut-Impfstoff** i.m. je 1 x am Tag: 0, 7, 28 + 365 Tollwut-Impfstoff** i.m. je 1 x am Tag: 0, 3, 7, 14, 30 und fakultativ am Tag 90 Tollwut-Impfstoff** nach Schema B + 1 x 20 I.E./kg KG Berirab® gleichzeitig mit der 1. Tollwut-Impfstoff-Gabe oder spätestens bis zum 7. Tag danach.

* Als unvollständig geschützt gelten Personen:

  • die mit einem Impfstoff von zweifelhafter Wirksamkeit geimpft wurden,
  • die mit einem Impfstoff von einer Stärke <2,5 I.E. pro Dosis geimpft wurden,
  • mit begonnener oder abgebrochener Impfserie, die nicht sicher zur Grundimmunisierung geführt hat,
  • deren vollständige aktive Immunisierung mehr als 5 Jahre zurückliegt.

**unbedingt Herstellerinformation beachten

Tab. 3: Impfschema für bereits vollständig geschützte Personen nach (erneuter) Exposition

Bisherige Impfungen (nach Schema A bis C) mit einem Tollwut-Impfstoff mit einer Stärke von =2,5 I.E. pro Dosis im Abstand von: Impfschema
Weniger als 1 Jahr je eine Impfung an den Tagen 0 und 3
1 bis 5 Jahre je eine Impfung an den Tagen 0, 3 und 7
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Stand: 21. Oktober 2007

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